Gibson

Gibson (offiziell Gibson Brands Inc. (seit 2013), davor Gibson Guitar Cooperation) ist einer der ältesten und renommiertesten Gitarrenbauer der Welt. Gegründet wurde das Unternehmen 1902 in der Kleinstadt Kalamazoo in Michigan. Heutiger Sitz ist Nashville, Tennessee.
Besonderes Prestige genießt Gibson für den Bau von E- und Westerngitarren. Als Flaggschiff gilt die Les Paul. Daneben gehören auch Bassgitarren, Verstärker, Banjos und Mandolinen zum Sortiment.
Viele Innovationen der gibsonschen Werkstätten waren wegweisend für den Gitarrenbau.

Gibsons Firmengeschichte

Die ersten Jahrzehnte

Alles begann mit einem Patent des Gitarren- und Mandolinenbauers Orville H. Gibson. Er entwickelte Anfang der 1890er Jahre eine neue Madolinenbauweise, mit der sich die Instrumente nicht nur deutlich stabiler sondern auch schneller produzieren ließen. Ab 1894 verkaufte Orville diese Mandolinen direkt von der Werkbank seiner kleinen Werkstatt in Kalamazoo und gründete 1902 die Gibson Mandolin-Guitar Mfg. Co. Ltd..
Als Orville 1918 starb, rekrutierte das Unternehmen 1919 den Designer Lloyd Roar, der direkt in den Gitarrenbau einstieg. In nur 5 Jahren bei Gibson (Er verließ das Unternehmen 1924) sollte er diesen für immer verändern. Mit der Archtop L-5 (1922) beeinflusste er den Gitarrenbau grundlegend, vor allem den Bau von E-Gitarren. Die Tonabnehmertechnologie der T-5 war revolutionär. (Der berühmte Gitarrenhändler und -sammler George Gruhn sagte über die L-5: „I consider this to be the most important single guitar in the entire history of country music.“ (Quelle))
Ein weiterer Meilenstein war die ES-150 (1936). Auch sie gilt mit ihrem Single-Coil-Pickup und Volume-Regler als Meilenstein in der Entwicklung der kommerziellen E-Gitarre.

Gibson in der Zeit des Zweiten Weltkriegs

Durch den Krieg wurden Holz und Metall knapp. Gibson beteiligte sich außerdem mit dem Bau von Holz- und Metallteilen für das Militär an den Kriegsanstrengungen der USA. Trotzdem produzierte das Unternehmen in der Zeit zwischen 1942 und 1945 ca. 25.000 Instrumente. In einer 2013 veröffentlichten Firmengeschichte gab der Gitarrenbauer preis, dass es in erster Linie Frauen waren, die diese während der Kriegszeit produzierten. Zuvor hatte das Unternehmen offiziell immer behauptet, in dieser Zeit überhaupt keine Instrumente gebaut zu haben. Diese neue Info brachte natürlich Schwung in die Händler- und Sammlerszenen.
1944 wurde Gibson von der Chicago Musical Instruments aufgekauft. 1948 wurde Ted McCarty rekrutiert, der ab 1950 den Firmenvorsitz übernahm und ein goldenes Zeitalter einleitete.

Die goldenen 50er

1952 brachte Gibson in Zusammenarbeit mit dem in den 50er Jahren sehr erfolgreichen Jazz-und Bluesmusikers Les Paul, die Les Paul auf den Markt und mit ihr auch den Humbucker. Sie ist, mit der Strato- und Telecaster des ewigen Rivalen Fender, die bedeutendste, meistverkaufte und meistkopierte Solid-Body E-Gitarre unserer Zeit. Sie ist bis heute das Flaggschiff der Firma Gibson.
Neben der Les Paul baute und entwickelte man weiter fleißig an Semi-Akustik Gitarren. Nach der ES-175 (1949) und der berühmten Birdland (1955), verließ 1958 die erste ES-335 die Werkstätten.
Auch Explorer (kurzzeitig auch Futura) und Flying V wurden bereits in den 50ern (1958) entwickelt, obwohl sie erst ab Ende der 60er, Anfang der 70er populär wurden. Beide Modelle waren ursprünglich für Blues-Gitarristen konzipierten, wurden jedoch später vor allem bei Hard-Rock- und Heavy-Metal-Gitaristen beliebt. Vor allem Explorer Modelle aus den Produktionsjahren 1958 und 1959 gehören heute zu den seltensten begehrtesten Sammlerstücken.

Die 60er

Auch die 60er Jahre liefen gut an, mit der SG (1961) und der Firebird (1963). (Tatsächlich ersetzte die SG die Les Paul fast ein ganzes Jahrzehnt aufgrund der großen Nachfrage für Double-Cut-Aways. Die Les Paul kam erst 1968 zurück.) Ende der 60er beginnt es in der Gitarrenschmiede aus Kalamazoo jedoch zu kriseln. Es beginnt eine lange Zeit des Firmenchaos und Missmanagements.
1969 wird Gibsons Mutterkonzern Chicago Musical Instruments (CMI) von der South American brewing conglomerate ECL übernommen. Bis 1974 bleibt Gibson unter der Verwaltung von CMI, wird danach aber eine Tochtergesellschaft von Norlin Musical Instruments, die wiederum Tochter von Norlin Industries ist.
Gibson wird in dieser Zeit immer stärker kommerzialisiert. Die Hauptproduktionsstätte wird von Kalamazoo nach Nashville verlegt um mehr und schneller produzieren zu können. Die Werkstätten in Kalamazoo werden zwar für den Bau von Custom-Instrumenten noch ein paar Jahre aufrecht erhalten, danach aber geschlossen. Die Firmenbesitzer schlagen einen riskanten Weg ein: die hochgeschätzte Qualität der Marke Gibson sinkt.
Durch ein bald katastrophales Preis-Leistungsverhältnis, steht das Unternehmen Ende 1985 kurz vor dem Konkurs. Im Januar 1986 kaufen Henry E. Juszkiewicz, David H. Berryman, und Gary A. Zebrowski die Gitarrenschmiede und bringen sie wieder auf Trab.